Gründung des FriedensAlexander Rossa 2007 Leere, so unendliche Leere in mir. Ein Volk des Rastlosigkeit, auf der Suche nach Frieden. Verfolgt, gequält und auf der ewigen Flucht. So sind es die Menschen und nicht ein Land, das sich nach ein wenig Glück sehnt, immer mit dem ständigen Drang nach einer Zukunft für die Kinder, für die Familie und für sich. Sich endlich über einen wunderschönen Sonnenaufgang freuen zu können, einen herrlichen Tag, der ohne zerschmetternde Bomben, ständiger Bedrohung und quälenden Rechtfertigungen vorüber geht. Nach einem Abend sehnt man sich, an dem man über die Zukunft sprechen und mutige Pläne schmieden kann. Nur einen Augenblick ohne Angst, Schmerz und diese an der Seele nagenden Erinnerungen an den Schrecken so vieler Vergangenheiten. So gründet man jeden Morgen den Frieden neu, um ihn über den Tag hinweg, bis in den späten Abend hinein, mit aller Kraft und Mühen zu verteidigen. Ein sagenhafter Sonnenuntergang ohne Entsetzen und Traurigkeit, was wäre das für eine Wonne? Immer wieder und wieder nur Beschimpfungen und Unterstellungen, Anzweiflungen und blanker Neid auf die kümmerlichen Reste von Hoffnung auf Frieden in ihren Herzen. Dabei wollen sie doch nur schlagen, diese Herzen. Sie wollen doch nur leben, die Menschen. Die Kraft für die Zukunft verpufft im Schatten der Verzweiflung. Immer wieder wird Hoffnung geboren, um im Hass der anderen zu verdorren. Der Ausbruch aus dem täglichen Bann, das Durchbrechen des ewigen Widerstandes gegen die Hoffnung auf Frieden, alles das mag einen kraftvollen Feuer sein, das die Menschen aus der Trostlosigkeit der ewigen Verfolgung und Rechtfertigung entgleisen lässt. Aufgestaute Energie bringt den harten Kessel fast zum Bersten. Zu kraftvoll drängt die Lokomotive den Zug in den Gleisen. Lautes Quietschen der vielen Waggons hallt durch die Nacht. Lautes Krachen und heftiger Funkenflug erfüllt die Welt mit Schrecken. Eine Zugmaschine durchbricht brutal das feste Mauerwerk, zermalmt auf seinem Kurs durch das unwirtliche Gelände alles, was sich ihm in den Weg stellt. Häuser, Mauerwerk und Frieden sind Vergangenheit. Männer, Frauen und Kinder werden von den harten Rädern zerfetzt. Die Kraft des Zuges ist ohne Erbarmen. Menschenmassen stoben auseinander, fliehen in alle Richtungen, nur weg von dem glühenden Zug der kochenden Verzweiflung. Doch alle schaffen es nicht, können es nicht schaffen. Ihre Schreie hallen furchtbar durch die finstere Nacht. Alle hören sie, selbst der Lokführer, die Fahrgäste, einfach alle, und niemand zieht die rettende Notbremse. Niemand steht auf, um an dem roten Griff zu ziehen, der dem üblen Schrecken ein Ende bereitet. Man will zusehen, wohin der Unglückszug rast. In den verbeulten Waggons sehen einige Fahrgäste erschreckt auf das neue Gebiet. Andere jedoch, sie blicken nicht einmal von ihrer Zeitung auf. Lesen verbissen von Hoffnungslosigkeit, Mauern und Hass. Qualm, Gestank und knisternde Feuer überall. Das Land um den Zug ist nun frei von Mauern, frei von Häusern. Verletzte und tote Menschen liegen zwischen den schweren Brocken herum. Leere, eine so unendliche Leere erfüllt das Herz der Menschen im Zug genau an jener Stelle, wo sie sich zuvor neue liebliche Hoffnung ersehnten. Man hat den falschen Zug genommen hat, einen Zug, der ein anderes Ziel erreicht hat, als man es sich erträumte. Eine trügerische Freiheit. Still ist es geworden. Nur ein entferntes Wimmern ist zu hören, ein Wimmern ohne Gesicht. Keine Bedrohung mehr, keine Mauern und Beschimpfungen sind jetzt noch an diesem trostlosen Ort. Ersetzt durch jene endlose Stille und die besagte Leere. So sitzen sie jenseits der Strecke des Friedens in ihren verbeulten Waggons, die Lokomotive schnauft unter dem ewigen Druck, und Blut klebt an den Fenstern, den Blick in die Zukunft trübend. Wir haben gewonnen und ein Ziel erreicht. Doch kann man einen Krieg gewinnen? Ist es das Ziel, welches wir uns ersehnten? Traurig wende ich den Blick von dem Fenster des Zugabteils ab. Eine Zugentgleisung wird für mich stets eine schreckliche Katastrophe bleiben. Leid über Kinder zu bringen und das Töten von Unschuldigen sind immer unverzeihlich. Während dem Aufräumen der alten Trümmer hört man in der Ferne schon die Arbeiter der Maurerkolonne. Sie werden eine neue Mauer errichten. Mauern der Bedrohung mit zu vielen neuen Brüller hinter ihr, ihre einfach strukturierten Texte lernend und mit Kindern, die wohl nie aufhören werden, eher Sprengstoffe zu mischen, als mit ihren Spielzeugautos im Sand zu spielen. Über den qualmenden Trümmern sieht man die Aura der aufgehenden Sonne. Wieder stehen sie unmittelbar davor, einen neuen Frieden gründen zu müssen, als wäre das ihre Berufung, ihr schreckliches Los, das ihnen für alle Ewigkeiten zugeteilt wurde. Den Menschen diesseits und jenseits der scheinbaren Mauern, wie sehr wünsche ich ihnen, doch endlich ein Leben in Frieden führen zu können und damit zu dauerhaften Besitzern des Friedens zu werden
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