Es gibt viele Bücher über Hexen und Hexerei. Doch dieses Buch ist anders. Es zeichnet ein Bild des Friedens und der Weisheit, eine völlig andere Art, das Leben zu betrachten und zu verstehen. Hexen sind die Wächter auf dem Zaun zwischen zwei Welten, immer darauf bedacht, das Gleichgewicht zu erhalten. Jedoch Aberglaube und Vorurteile lassen sie als Dämonen des Bösen erscheinen. Ein fataler Irrtum!
(Folgender Text wurde aus dem Buch "Das Hagzissa Hexenbuch" entnommen.)
Als ich noch ein Kind war, da erzählte mir meine Mutter einmal diese kleine Geschichte von einem kleinen Feuer, dem prinzipiell leblosen Feuer, sofern man davon ausgeht, daß Feuer stets nur ein totes und heißes Element dieser Welt ist. Auch wenn ich meine Mutter damals nicht gleich verstanden hatte, so habe ich diese kleine Geschichte bis heute nicht vergessen können. Das mag vielleicht auch daran liegen, daß man so etwas wie das Spiegelbild der Geschichte, immer wieder überall in der Welt sehen und beobachten kann.
Man betrachtet es sprachlos, und immer fehlen einem beim Betrachten die Worte. Dabei beginnt die Geschichte eigentlich ganz harmlos und eher niedlich, fast wie ein Märchen mit Elfen und schönen Feen, so eine Geschichte, wie sie Kinder eben nun einmal gerne hören. Doch von Elfen und Feen wird in dieser seltsamen Geschichte wahrlich nicht berichtet:
Alles ist ganz still und friedlich in diesem kleinen Tal.
Mit den ersten Strahlen der Morgensonne, öffne ich mein Leben.
Kühle Nebel legen sich auf mein Gesicht.
Kalt ist der Boden, bedeckt von nur ganz wenig Gras.
Der gleißende Strahl der Morgensonne, er hat ein schwaches Feuer in mir entzündet, dessen wohlige Wärme mein Ich ernährt. Hier und da recken bunte Blumen ihre Köpfe dem Morgenlicht entgegen.
Auch Buntes kann trostlos sein, wie eine Welt ohne Freude. Farben sind eine Illusion.
Vögel öffnen ihre Schnäbel, ohne das ihren kleinen Kehlen ein lieblicher Klang entweicht. Sie sehen aus, als würden sie nach Luft ringen, um nicht sterben zu müssen.
Das Plätschern des Baches zu meinen Füßen, es erinnert an das Kotzen und Würgen eines Hundes, kann man sonst nichts Besseres mit ihm verbinden. Die Schönheit der Welt und das Wunder des Lebens sind eine Farce; beides wird zu einer Qual, hat man vergessen wie es ist, auch nur ein Hauch glücklich zu sein.
So liegt mein Ich einfach entblösst, entzündet vom Morgen. Nur eine kleine Flamme ist da, die wohl bis Mittag erloschen ist. Sinnloses Dasein mit dem Drang, immer höher und heißer zu brennen, die Welt im fauchenden Flammenmeer zu erobern und zu besiegen.
So, nun ist es geschehen, eine kleine Flamme flackert munter knisternd, seiner eigenen Vernichtung entgegen, mit dem glühenden Wunsch, gleich die ganze Welt mit sich zu reißen.
Sie hat sich rasch mit der Sonne verbunden, dem runden General, dessen blanke Wut den Tau auf den Blättern ehrfürchtig verdunsten läßt. Das Bündnis, es hat den General rasch und mutig aufsteigen lassen. So steht er nun hoch in der Luft über dem faden Bunt der Wiesen und dem kühlen Atem des Morgens, der sich inzwischen zu einer lauen Brise erwärmt hat.
Ein graues Geschöpf mit langen Ohren, es zieht es vor, dem Knistern der Flammen zu entfliehen.
Mit aufgerissenen Augen springt es über den würgenden Bach, um der Hitze des Krieges zu entkommen.
Gierig habe ich begonnen einen spitzen Halm, nach dem anderen, in mich hinein zu fressen.
Laut knistern die Gräser ihr Entsetzen heraus. Doch es gibt in meinem Leben kein Erbarmen.
Blumenstile fallen reihenweise ihrem flammenden Verderben entgegen, als der runde General über ihren Köpfen erscheint. Seine heißen Strahlen zermürben Hölzer, Blumen, wie auch Gräser. Es ist für mich ein leichtes Spiel, sie alle zu verschlingen, harsch angetrieben von dem heißen Wind des Mittags.
Rauch steigt auf, Symbol meines Sieges und Zeichen des Verderbens alles miesen Bunten in diesem weiten Tal. Trocken und grau legt er sich mit beißendem Geruch, auf die grüne Ödnis vor mir.
Widerlich ist das Glucksen und Gurgeln des Baches in meinem Rücken zu vernehmen, dem ich mit lautem Zischen entgegen halte.
Doch ich spüre es bereits deutlich, der Sieg wird unser sein!
Alles werde ich vernichten, in mich hinein fressen und verschlingen, um letztlich über alles Verbleibende zu herrschen.
Das Knistern und Krachen meiner Macht ist überall zu hören.
Wie im Rausch, so falle ich über ein Heer der Blüten, nach dem anderen her, um es brutal zu zerfetzen. Ganze Heerscharen an Gräsern beugen sich meinem Willen und unterwerfen sich meiner gnadenlosen Glut.
Der runde General, er jagt strahlend vor mir über den Himmel, begleitet vom glühenden Nachmittagswind.
Was für ein Feldzug! Was für ein Triumph!
Schon bin ich mir meines Sieges gewiß, da bieten sich mir plötzlich, wie aus heiterem Himmel erscheinend, verlassene Hänge an, ganz grau und ohne Bewuchs.
Ich bin voller Zorn und bellender Wut, an dieser Stelle einer solchen üblen und hinterhältigen Feindeslist zu begegnen. So presche ich mutig an diese Barriere heran, will sie überspringen, drücke kraftvoll gegen sie, ohne auch nur ein wenig Gewinn für die Schlacht. In mir breitete sich das pure Entsetzen aus.
In meinem Rücken der würgende Feind, der feige die Schlacht, von seinem Bett aus führt, vor mir die trockenen Hänge, mit dem schändlichen Ziel, mich gnadenlos auszuhungern.
Wütend keife und fauche ich an den Seiten der Schlacht, während sich die Lichtstrahlen zwischen den Rauchsäulen, plötzlich rot zu färben beginnen.
Der runde General, er ist in seiner unbedachten Sorglosigkei, viel zu weit vor geprescht und scheint nun verwundet zu sein. Sein gleißendes Licht färbt sich rot. Soll sich das Blatt nun doch noch wenden?
Ich werde merklich schwächer, finde keine Nahrung mehr und ziehe mich zurück.
Der runde General ist offenbar schwer verwundet und wird in seinem Blut liegen.
Langsam scheint er vom Himmel zu fallen.
Beide werden wir immer schwächer.
Zitternd ziehe ich mich immer weiter zurück, um dem bunten Feind mein erobertes Land zu überlassen.
Dennoch bäume ich mich immer wieder auf, um mich verbissen zu wehren.
Ich will es nicht wahr haben, kampflos das verkohlte Feld zu räumen, während der runde General mit tiefem Rot besudelt, immer schwächer wird. Schließlich fällt er ausgelaugt zu Boden, um dort sein Licht sterben zu lassen.
So liege ich plötzlich alleine und verlassen in der Dunkelheit, kraftlos und matt, mit meinem eigenen Leben ringend.
Wie ein leichtes Glimmen, rötlich und mit grauer Asche bedeckt, ist mein Ich.
Ein kalter Luftzug fegt über den Boden, leise kratzend, dem trostlosen Horizont entgegen.
Alles ist in fahles Mondlicht getaucht, trocken, und es scheint mir die ganze Welt, ohne Wärme und Leben zu sein. Zitternd ist die Glut, das Ich, krampfhaft klammert es die schwindende Wärme.
Man sieht Schatten huschen, schwarze Gebilde, die nach Licht gieren und rastlos herumirren.
Keinen Laut geben sie von sich, sind überall und offensichtlich ohne ein Ziel.
Das Licht meiner Nähe wehrt sie ab, läßt sie schwächeln.
Doch zucken sie immer wieder vor, mutig und forsch.
Sie wollen mir nahe sein, sich an meiner Wärme laben, sie mir gierig entziehen und damit mein Ich auslöschen.
Meine schwache Glut, sie glimmt gegen die Zeit, dem Erlöschen entgegen.
Mein Ich wird zur Asche werden, weiß und federleicht, stets bereit, von einem Luftzug in die Ferne getragen zu werden. Die vielen Schatten, sie werde ich hinter mir lassen, strebe dem Licht eines neuen Morgen entgegen, nur getragen, von einem sanften Lufthauch.
Was gibt es mehr zu wollen, als diese letzte Reise?
Plötzlich plätschert der Bach lauter auf, als sonst, und ein Tropfen reinen Wassers fliegt durch die Luft.
Dann vernimmt man ein leichtes, ganz kraftloses Zischen.
Nur wenn man ganz genau hinhört, kann man diesen feinen Laut vernehmen.
Nun jedoch, nun ist wieder alles still und ganz friedlich in diesem kleinen Tal.
Heute bin ich schon lange kein kleines Mädchen mehr.
Ich bin eine alte Hexe mit dem wunderschönen Namen Krautfrei Glattstein.
Die Leute sagen immer, ich wäre eine bösartige Hexenfrau. Sie wissen nicht einmal, was sie da eigentlich behaupten.
Kaum ein Mensch weiß heute noch, was eine Hexe wirklich ist und was sie tatsächlich den ganzen Tag über anstellt. Viele Bilder, aus vielen Kriegen, habe ich in meinem Leben gesehen, viel zu viele Bilder, wenn es nach mir geht...