Das Hagzissa Hexenbuch
HAGZISSA - Treffpunkt für Hexen und Übersinnliches
Datum: 09.09.10
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Alchemie, die

Möge Einfaches zu Wertvollem werden...



"Die Alchemie ist die bedeutenste Kunst der hermetischen Philosophie. Bei oberflächlicher Betrachtung vermittelt sie gerne den Anschein von pseudowissenschaftlicher Goldherstellung. In Wirklichkeit stellen diese Bemühungen aber ein Bild für das gnostische Streben dar, die in den Elementen gefaßte göttliche Kraft zu befreien. Die Alchemisten wollten das eigene spirituelle Wesen durch Befreiung von verunreinigenden Bestandteilen verwandeln, so daß die reine Seele oder der reine Geist offenbar und frei werden konnte (Gottessuche). Ohne Zweifel gab es natürlich auch in dieser Disziplin des Mittelalters und der Renaissance irregeleitete Dilettanten und materialistisch-orientierte Scharlatane. Aber die alchemistische Tradition selbst war ein subtiles, geistiges Gebäude und stellte hohe praktische Anforderungen.

Obwohl die heutige moderne Chemie auf den Kenntnissen der Alchemie aufbaut, war diese von einem Ziel und Denken beseelt, welches den meisten modernen WissenschaftlerInnen merkwürdig und für die heutigen Anforderungen kaum genügend vorkommen mag. C.G. Jung, der im Alter die Alchemie entdeckte, widmete ihr zwei seiner großen Werke: 'Psychologie und Alchemie' und 'Mysterium Conjunctionis'. Er fand heraus, daß die Stufen des alchemistischen Prozesses mit den allgemeinen Stufen des Individuations-Prozesses übereinstimmen, durch den eine Person zu einer psychischen Ganzheit wird. Die alchemistischen Symbole standen nicht nur für okkulte metallurgische Experimente, sondern auch für Abschnitte psychischer Erfahrungen und psychischen Wachstums.

So nannten die Alchemisten z.B. drei Prozesse, denen der 'flüchtige Geist Merkur' (Quecksilber) unterworfen werden mußte:'Nigredo' (Schwärzen), 'Albedo' (Weißmachen) und 'Rubedo' (Röten). Bei der Schilderung des 'Nigredo-Prozesses' beschrieben Begriffe wie Folter, Zusammenbruch, Zermalmung, Untertauchen, Abtrennen und Töten die qualvolle Todeserfahrung, die jede spirituelle Verwandlung einleiten müssen.
Die 'Albedo-Stufe' wurde in Metaphern wie Sonnenaufgang, Licht, Auftauchen, Waschen und Reinigen beschrieben: Sie bezeichnete das Stadium der spirituellen Wiedergeburt. Der Vorgang des ""Rubedo"" wurde durch Bilder der Sonne, der königlichen Hoheit, Macht und Herrschaft ausgedrückt und bezeichnete die erreichte Erfüllung und vollständige Bewußtheit.

Manche Alchemisten sollen bei der Ausübung ihrer Kunst tatsächlich gestorben sein, und zwar nicht aufgrund wissenschaftlicher Unwissenheit oder Unfähigkeit, sondern durch unerträgliche psychische Verwundungen und Fehlschläge beim Übergang von der 'Nigredo-' zur 'Albedo-Stufe'. Schwerwiegende oder irreversible Psychosen sind sicherlich auch der Erfahrung der modernen Menschheit nicht fremd. Ein Grund warum die Alchemie mehr als nur einen interessanten Anachronismus darstellt, liegt darin, daß sie psychotische Zustände in einen Zusammenhang bringt, darüberhinaus kann sie verdeutlichen, daß es extreme Seelenzustände gibt, die zwar unerwünscht sein mögen, aber neben ihren Gefahren auch Chancen bieten.

Alchemie, Astrologie, Kabbala und die anderen 'okkulten Wissenschaften und Thematiken' liefern Abbilder des Unbewußten und sind spirituelle Schulungswege, die in unserer Zeit genauso wie in den sogenannten vorwissenschaftlichen Epochen und Kulturen von vielen Menschen als wichtig und nützlich empfunden werden."


Aberglaube und vergessene Riten




© Alexander Rossa 2010



Gespensterleben - Ratgeber für ein Leben mit Spuk