Aus der Einleitung:
Mit der Narrenfibel hat ein langes Schweigen ein Ende gefunden. Ich bin ein Narr, und ich kann Dinge sehen und spüren, die nur wenige Menschen vor mir gesehen haben. Wenige Narren gibt es auf der Welt, die sich nach strengen Grundsätzen weitgehenst im Verborgenen aufhalten. Sie sind stets in Gefahr und in ständiger Sorge um ihre Gesundheit und ihr Leben. Die Zukunft ist mir wahrlich nicht fremd, die Gegenwart bereitet mit schreckliche Angst und die Vergangenheit ist voller Gräuel. Ein Mensch bin ich, und für Menschen ist das Wissen der Narren. Die Narrenfibel bereitet die Philosophie des Narren in einer kurzen Übersicht auf, um ein Licht am Wegesrand zu sein, für alle Menschen, die nach einem Licht, an eben dieser Stelle in ihrem Leben, suchen. Und stets bin ich mir der Gefahr bewusst, die dieses veröffentlichte Wissen mit sich bringen wird. Wahrheit kann ein Fluch sein...
Unter einem alten Baum:
Es ist sehr heiß heute.
Der Schatten tut mir gut.
Ich sitze oft hier, unter diesem alten Baum.
Der Stamm ist eine perfekte Lehne.
Im Sommer spendet er Schatten.
Bei Regen ist er ein schützender Schirm.
Im Herbst spendet sein Laub mir Wärme.
Seine Blätter rauschen im Wind.
Das ist sehr schön, so beruhigend.
Die Rinde duftet immer angenehm.
Alles in allem, er ist eine Wohltat für mich.
Nun sitze ich auch heute hier.
Ich träume vor mich hin.
Gerne bin ich alleine.
Die Bienen summen, ein Vogel raschelt.
In der Ferne höre ich Stimmen, Kinder.
Sie spielen wohl im Wald.
Das habe ich früher auch gerne getan.
Doch heute, heute bin ich alt.
Erst war das Leben zu lang.
Heute ist das Leben zu kurz.
Ändern kann man nichts mehr.
Wo ist da der Sinn?
Sie setzen mich jeden Tag hier an den Baum.
Sie wollen ihre Ruhe haben.
Alte Menschen sind belastend.
Aber das ist schon in Ordnung.
Ich sitze gerne hier.
An das Wetter habe ich mich gewöhnt.
Vielleicht bin ich auch schon zu alt.
Ich meine zu alt, um zu frieren.
Nur die Nässe ist nicht schön.
Für meine Knochen, meine ich.
Aber was soll es.
Laufen kann ich ohnehin nicht mehr.
Das ist vorbei, seit den Ratten.
Früher hatten wir hier viele Ratten.
Doch heute sind sie verschwunden.
Sie sind alle tot, ausgerottet.
Geschieht ihnen ganz recht.
Warum haben sie es auch getan.
Meine Füße gehören mir.
Die darf niemand anfressen.
Nun habe ich meine Ruhe.
Ruhe im Alter tut gut.
So habe ich meinen Baum.
So einen Baum hat nicht jeder.
Hier möchte ich eingegraben werden.
Ich meine, wenn ich tot bin.
Es ist so schön hier.
Hoffentlich bin ich bald tot.
Dann ist mir das Wetter auch egal.
Gestern haben sie mich vergessen.
Es war Nacht, und keiner kam.
So saß ich hier, die ganze Nacht.
Schlafen konnte ich nicht.
So war ich wach, als sie kamen.
Erst waren sie blass.
Dann haben wir gelacht.
Der Mensch und seine Dualismen:
Der Mensch denkt in Dualismen. Dualismen geben ihm Sicherheit. Sie sind die Abgrenzungen für seinen Geist. Er hat Angst seinen Geist in der Grenzenlosigkeit schweben zu lassen, obwohl es nur eine Unendlichkeit gibt, in der er ist. Unerträglich scheint ihm der Gedanke, sein Ich in dieser Unendlichkeit zu wissen, in der es sich möglicherweise verläuft. Das mutet narzisstisch an, obwohl es eben nur eine ganz reine Form von Angst ist. So kauert der Mensch in seiner Blase subjektiver Teilrealität und zittert vor Angst, er könne sterben und dadurch seine Teilrealität verlieren.
Eine hohe Kunst ist es jedoch, nicht ausschließlich in diesen Dualismen zu denken - es verliert sich damit eine wesentliche Einschränkung des Geistes. Ohne Kreativität und Phantasie ist da nichts zu machen. Doch die moderne Gesellschaft hat es sich angewöhnt, gerade Menschen mit einer hohen Sensibilität, als Schwächlinge zu diskriminieren, obwohl letztlich nur sie dazu fähig sind, diese Dualismen zu durchbrechen, da sie Phantasie und Kreativität kultivieren können. Zwischen der Farbe Schwarz und der Farbe Weiss liegt schließlich die eigentliche Schönheit und das ganze Spektrum des Lichtes. Und das Licht selbst erscheint oftmals, als der Gegensatz der Dunkelheit, dessen Farben ebenso sind, wie die des Lichtes. Selbst die meisten Weisen der esoterischen und hermetischen Zunft begnügten und begnügen sich heute immer noch damit, diese einzelnen Farben sehen zu lernen, und werden dennoch niemals erfahren was es heißt, die ganzen Universen zwischen diesen Farben zu erblicken. Dort aber setzt der suchende Narr an. Er sucht beharrlich nach einem Weg, sich zwischen die Farben zu drängen, um für sich frei sein zu können. Dualismen zwängen ihn ein, quälen ihn und bedeuten für ihn Sinnlosigkeit. So sieht er seinen einzigen Ausweg, in den Universen zwischen den Dualismen, Universen, die für die meisten Menschen nicht existent und nicht vorstellbar sind. Sie sind es, die in einem Narren, einen Toren sehen.
Wollte man auf diese Weise ein Universum beschreiben, so würde man es nicht können, da es sich nicht in Dualismen beschreiben lässt. Es würde nicht verstanden, nicht akzeptiert, und der Mensch würde versuchen, es in seine Grenzen zu zwängen. Die Denkweise des Menschen versucht unbekannte Eindrücke mit bekannten Bildern zu paaren, um sie für sich zu visualisieren. Das ist eine Prämisse für das menschliche Verstehen.